Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet: Michael Lüders
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Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet: Michael Lüders

Michael Lüders – Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet jetzt kaufen. 262 Kundrezensionen und 4.6 Sterne. Politikwissenschaft, 21.

Pressestimmen

„Ein Schwarz-Buch der westlichen Politik im Orient, das sich wie ein Polit-Thriller liest.“
Neues Deutschland, 3. Dezember 2015

„Analytisch klarster und medial einflussreichster Nahost-Experte Deutschlands.“
Kiefer Sebastian, Falter, 8. April 2015

Autorenkommentar

Michael Lüders war lange Jahre Nahost-Korrespondent der Hamburger Wochenzeitung „DIE ZEIT“ und kennt alle Länder der Region aus eigener Anschauung. Als Nahostexperte ist er häufiger Gast in Hörfunk und Fernsehen.

12 Antworten

  1. Geschenk sagt:

    In diesem Buch wird erklärt wie der gesamte asiatische Raum bewußt durch die Interessen von Staaten und Großmächten destabilisiert wurde und dadurch Brennpunkte wie der Syrienkrieg und der IS Staat gewollt entstanden. Ein politisches Aufklärungsbuch das man unbedingt gelesen haben sollte, um das zu erfahren, was uns die Medien und die Politiker gerne verschweigen. Gerade Jugendliche, denen die Hintergründe schon aus Altersgründen nicht bekannt sind, können sich hier strukturiert in die komplexe Bürgerkriegssituation in Syrien einlesen und die Zusammenhänge verstehen. Solche Bücher eines anerkannten Journalisten und Kriegsberichterstatters sollten Eingang finden im Schulunterricht. beim Thema politische Bildung.

  2. Geschenk sagt:

    Der Autor, langjähriger Nahostkorrespondent der Wochenzeitung ‚Die Zeit‘, verfügt ohne Zweifel über profunde Kenntnisse der Gegebenheiten dieser Region. Er schlägt bei seiner gnadenlosen Kritik der ‚westlichen‘ Nahostpolitik, einen Bogen vom (durch die Geheimdienste Großbritanniens und der USA unterstützten) Putsch gegen den iranischen Premierminister Mossadegh im Jahre 1953, bis zum Gaza-Krieg 2014. Quellenangaben zu seinen Ausführungen, wären an vielen Stellen wünschenswert gewesen und hätten die Seriosität der Analyse unterstrichen. Bei aller berechtigten Kritik am vielfach weitgehend moralfreien Vorgehen der Westmächte und den von diesen angelegten ‚Doppelstandards‘ bei der Beurteilung eigener und feindlicher Aktivitäten, fällt doch ein erheblicher Mangel an Objektivität ins Auge. Sicher war etwa Mohammed Mossadegh ebenso wenig ein harmloser Musterdemokrat, wie Schah Reza Pahlawi die Inkarnation des finstersten Faschismus‘. Lüders hätte seinem Anliegen besser gedient, wenn er nicht versucht hätte, den Eindruck zu erwecken, dass es sich bei den von den ‚Westlern‘ als Feinde identifizierten Akteuren um meist mehr oder weniger unschuldige Opfer einer skrupellosen Geopolitik handelt. Im Falle des syrischen Diktators Baschar al-Assad, gelingt es dem Autor indes sehr gut, ein umfassendes Bild der verworrenen Lage, der vielschichtigen Interessen lokaler und internationaler Akteure und von der in der Tat beschämenden Rolle zu vermitteln, die ‚der Westen‘ in dieser Region spielt. Wahr ist, dass ein großer Teil der aktuellen Verwerfungen in der islamischen Welt, die keineswegs ohne Konsequenzen für Europa bleiben, ein Produkt der erratischen Politik Washingtons sind: Ohne den Putsch gegen Mossadegh – kein Mullahregime im Iran. Ohne US-Unterstützung für die afghanischen Mudschaheddihn – keine Al-Qaida. Und ohne den unbedachten Versuch der Westmächte, das Assad-Regime zu stürzen – kein ‚Islamischer Staat‘, so könnte man die Analyse stark vereinfacht zusammenfassen. Bei der Beurteilung der Politik Israels, scheint das antizionistische Ressentiment mit dem Autor durchgegangen zu sein. Allzu einseitig werden die ‚Verbrechen‘ Israels mit der Opferrolle der Palästinenser (wer oder was sind denn ‚Palästinenser‘?) kontrastiert. Fazit: Ein guter Überblick über die Geschehnisse seit 1953, der allerdings aus einem zum Teil etwas zu einseitigen Blickwinkel erfolgt.

  3. Geschenk sagt:

    Schon zu Beginn des ersten Weltkrieges war es eine offensive Strategie und Politik des deutschen Kaiserreiches, an den Rändern des osmanischen Reiches im Nahen Osten islamische „Gotteskrieger“ zu „erschaffen“. Mittels Propaganda, Geld und Waffen sollte so der Aufstand gegen die britische Besatzungsmacht entfacht und geschürt werden. Ähnlich, wie Jahrzehnte später „Gotteskrieger“ durch die USA ausgebildet und ausgerüstet wurden für den „Befreiungskampf“ gegen die Sowjetunion in Afghanistan. Aus denen die Taliban entsprangen und letztlich Al Quaida sich rekrutiert hat. Mit den bekannten Folgen. Sei es der Putsch in Teheran Mitte der 50er Jahre zur Stützung des Schahs, sei es das erwähnte „Endspiel am Hindukusch“, seien die vielfachen Unterstützungen über Jahrzehnte hinweg an die Diktatoren und selbsternannten Alleinherrscher im mittleren und Nahen Osten, in Afrika, seien es die nachweisbaren Ursachen für die Entstehung des IS durch die Kriege im Irak und die wohlgesonnen Politik mit dem diktatorischen Establishment in Syrien, sei es auch die mangelnde Unterstützung an die damals noch einigermaßen strukturierte Opposition in Syrien zu Beginn des Bürgerkriegs dort, im Blick auf die sorgfältig ausgewerteten Quellen und die nüchterne Beschreibung von Ursache und Wirkung durch Michael Lüders im Buch wird klar, dass der „Westen“ in all den Spannungen und den terroristischen Aktivtäten letztendlich vor allem (wenn auch nicht nur) erntet, was er politisch gesät hat. Islamisten, Terrorgruppen, Aufstände, Befreiungskämpfe, Ressentiments bis zum Hass gegen Amerika schlechthin sind keine Schicksale, sind nicht aus irgendeinem Himmel gefallen sondern, wie alle Um- und Zustände auf dieser Welt, „gemacht“ worden. Teil eines Ursache-Wirkung-Systems, das besser reflektiert und intensiv bedacht werden sollte, um nicht immer wieder die gleichen Fehler mit den gleichen Folgen zu generieren. Nachweislich und offenkundig hat die so oft beschworene „Wertepolitik“ des Westens im Nahen Osten nichts anders als verbrannte Erde und Hass hinterlassen. Und tut es noch, was im Buch als schaler Geschmack doppelbödiger Politik und aktueller Realität zum Tragen kommt. Jene „Achse des Bösen“, benannt durch eine Politik, die sich selbst aber auch nur „gut“ fand und letztendlich jene unüberschaubaren und heftigen Stürme an so vielen Orten erntet. So kann Lüders völlig zu Recht darauf verweisen, dass man sich mi der westlichen Politik beschäftigen muss, um die Zustände im Nahen Osten genauer zu verstehen. Ruhig, sachlich, nüchtern, unter Auswertung von geheimdienstlichen Quellen und mit einem spürbaren Fachwissen über die aktuelle Lage vor Ort bietet Lüders diese Blicke auf die Ursachen der einzelnen Konflikte. Und verweist auf eine kompetente und nach allen Seiten hin offene, dabei tatsächlich vom Wert der Freiheit geleiteten Diplomatie als konstruktive Möglichkeit und, vor allem, als seit Jahrzehnten überfällig. Eine sehr informative, erhellende Lektüre, die den Finger auf viele offene Wunden westlicher Politik legt, ohne dabei polemisch oder belehrend zu wirken

  4. Geschenk sagt:

    Sicherlich kann man die Nahost-Politik des Westens kritisieren, dieses Buch liefert hierzu aber keine neuen Erkenntnisse. Leider schlägt es nur in die altbekannte Kerbe: Westen böse – Regionalmächte arm dran. Das scheinbare Unvermögen vieler Staaten im Nahen Osten und auf der Arabischen Halbinsel, auch nur halbwegs das Entwicklungstempo der westlichen Welt, aber auch verschiedener Kulturen in Asien mitzuhalten, wird wieder komplett ausgeblendet. Der Westen (wenn es denn „den Westen“ als homogenes Konstrukt überhaupt gibt) kann nicht immer als Grund allen Übels in diesem Teil der Welt herangezogen werden. Die Wahrheit ist doch, dass es auch emanzipierte Staaten wie Saudi-Arabien und die UAE nicht schaffen, einen gesamtgesellschaftlichen Impuls zur Weiterentwicklung ihrer Länder zu generieren, aus diesem dann Wohlstand und Frieden erwachsen können.

  5. Geschenk sagt:

    Michael Lüders Buch „Was westliche Politik im Orient anrichtet“ greift leider etwas kurz. Wer sich eingehender mit der Thematik beschäftigt sollte dort beginnen wo alles anfing. Anfang des 20. Jahrhunderts. Das kann man auch den vielen Rezensionen und Kommentaren entnehmen die zu Michael Lüders gut gemeintem Buch verfasst wurden. Hier herrschen viel Unkenntnis und Vorurteile. Nur zwei drei Sätze zu den „Mit dem Lineal gezogenen Grenzen“ und dem „Sykes-Picot-Abkommen“ sind einfach zuwenig um dem Interessierten klar zu machen wie tief verwurzelt die Konflikte in und um Arabien schon sind und wieviel der Westen davon zu verantworten hat. Letztendlich ist es die Habgier und machtpolitische Interessen der Engländer und Franzosen, die nach dem Fall des osmanischen Reichs den arabischen Raum zu dem gemacht haben was er heute ist. Ein Pulverfass. Wer sich eingehender mit der Thematik auseinandersetzen möchte dem sei die Literatur von Thomas Edward Lawrence empfohlen. Ja genau dem Lawrence, den man gemeinhin als „Lawrence von Arabien“ kennt. In der von Jeremy Wilson verfassten Biographie und seinem Werk „Die sieben Säulen der Weisheit“ erfährt man viel über den Nahen Osten und Arabien. Sowie den Interessen der unterschiedlichen Mächte. Auch an Peter Scholl-Latour kommt man in dem Zusammenhang nicht vorbei. Schwer zu lesen aber durchgängig interessant und informativ. Gerade die hier vehement den Westen verteidigen sollten sich einmal von ihrem Ross herab begeben und etwas tiefer in die Materie eintauchen. Die Geschichte des im Prinzip von der CIA gestürzten iranischen Premiers Mohammad Mossadegh ist nur eine Spitze des Eisbergs in unserem Umgang mit den arabischen Völkern. Er wollte verhindern, daß die Briten 90% der Erträge aus der Erdölförderung für sich einstrichen. Was durchaus legitim erscheint. Die angloamerikanischen Staaten betrachteten das als Affront, initiierten einen Umsturz im Iran und installierten den Marionettenprinz und Günstling der Amerikaner Schah Reza Pahlawi. Alles andere sind nur die Folgen aus dem bereits Erzähltem und die Probleme der Neuzeit sind daraus erwachsen. Dazu kommen aktuell die Machtinteressen der USA auf der einen und China und dem wiedererstarkten, Assad stützenden Russland auf der anderen Seite. Sehr ausführlich beschäftigt sich der Autor mit dem Palästinakonflikt. Dieser Teil des Buches ist sehr lesenswert, da es auch die Rolle der Verbündeten Israels und deren Verantwortung beleuchtet. Und damit meine ich nicht nur die Rolle der Amerikaner. Mein Fazit: Viel Wahres liegt weit in der Vergangenheit. Dazu nimmt das Buch in meinen Augen zuwenig Stellung, was die Geschehnisse in der neueren Zeit selbsterklärend mache würde. So liest es sich ein wenig wie eine Abrechnung mit den USA. Obwohl es das wirklich nicht ist. Man müsste die Geschichte nur besser beleuchten. Trotzdem ist das Buch als uneingeschränkt lesenswert zu empfehlen. Da auch der Palästinakonflikt im Buch thematisiert wird. Der Palästinakonflikt ist schließlich einer der Schlüssel für die Befriedung des Nahen Ostens und die Siedlungspolitik Israels ist keine heilige Kuh und kann durchaus von aussen kritisiert werden. Das hat mit Antisemitismus nichts zu tun. Meine Lesetipps zum Thema: Albert Hourani # Die Geschichte der arabischen Völker Jeremy Wilson # Lawrence von Arabien Thomas E. Lawrence # Die sieben Säulen der Weisheit Thomas E. Lawrence # Die Brunnen der Wüste Peter Scholl Latour # Der Fluch der bösen Tat Peter Scholl Latour # Kampf dem Terror – Kampf dem Islam

  6. Geschenk sagt:

    „An den Tag, an dem dort [am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag] Anklage gegen die großen Verderber und Schreibtischtäter erhoben wird oder wenigstens doch gegen einige von ihnen, allen voran George W. Bush. Dick Cheney, Tony Blair, Donald Rumsfeld, hat sich das Wort von der ‚westlichen Wertegemeinschaft‘ tatsächlich mit Leben erfüllt.“ (Dr. Michael Lüders‘ Resümee) Der Autor beginnt seine Anklage mit dem vom Briten und US-Amerikanern inszenierten Putsch gegen den demokratisch gewählten iranischen Präsidenten Mohammed Mossadegh im Jahre 1953. Lüders bezeichnet den Putsch als Sündenfall schlechthin, ohne den es die islamische Revolution Chomenies im Jahre 1979 nicht gegeben hätte. Während die Revolution für den politischen Islam, egal ob schiitisch oder sunnitisch, zum ‚Big Bang‘ wurde, sollte sich erweisen, dass alle Geheimoperationen in anderen Ländern wie ein Boomerang auf ihre Urheber zurückfallen können. Die CIA bezeichnet dieses Phänomen als ‚Blowback’….. …zu dem auch Washingtons und Riads Unterstützung der Mudschahedin gegen die sowjetische Invasion Afghanistans gehörte (1979 – 1989), was schließlich zur Geburtshilfe von Al-Qaida führen sollte. Lüders bezeichnet den saudischen Wahabismus als den Schoß, aus dem der Fanatismus kroch. Bereits nach dem ersten Weltkrieg hatten die Briten den Saudis hierzu den Weg geebnet. Nachdem die USA den irakischen Diktatur Saddam Hussein in seinem Krieg gegen die iranischen Mullahs unterstützt hatten, beging er den Fehler die angelsächsische ‚Tankstelle‘ Kuweit zu besetzten. Ihn aus Kuweit herauszuwerfen reichte jedoch nicht zur Verteidigung grundlegender Interessen [Big Oil], so dass man ihm die Entwicklung biologischer und chemischer Massenvernichtungswaffen andichtete, um ohne ein UNO-Mandat einen Angriffskrieg vom Zaune zu brechen. Das Ergebnis war ein Machtvakkum, welches letztendlich den ‚Islamischen Staat‘ entstehen und wachsen ließ. Die westlichen Vorstellungen von Demokratie sind nur ein ideologisches Trugbild, in Gesellschaften die von Clans, Stämmen, Ethnien und Konfessionen getragen werden. Der Autor bemerkt hierzu, dass die amerikanische und, in ihrem Fahrwasser, europäische Politik nicht auf Interessenausgleich mit anderen Groß- oder Regionalmächten ausgerichtet ist, sondern unter Berufung auf eine vermeintlich höhere Moral Widersacher auszugrenzen und den eigenen Willen zu unterwerfen sucht. Besonders wurde dies im Falle Syriens deutlich: Assad sollte um jeden Preis gestürzt werden. Dass vom Westen unterstützte sogenannten ‚Gemäßigte‘ oder ‚gute Dschihadisten‘ auch zum ‚Islamischen Staat‘ überlaufen können, merkte des Westen erst als es zu spät und der ‚Islamische Staat‘ auch hier maßgeblich gestärkt worden war. Der Autor beklagt, dass von den USA und ihren Verbündeten stets mit zweierlei Maß gemessen und meistens die ‚falschen‘ unterstützt werden, nämlich diejenigen, welche den eigenen wirtschaftlichen Interessen von Nutzen sind. Hierbei wird auch nicht von ‚Heiligen Allianzen‘ mit Despoten sowie radikalreligiösen und rassistischen Parteien zurückgeschreckt, während man anderen vielleicht Kompromiss bereiten Organisationen Verhandlungen verweigert. In diesem Zusammenhang hinterfragt der Autor das Nahostproblem. Als ‚Worts-Case-Szenario‘ sieht Lüders, wenn der ‚Islamische Staat‘ den Kampf um Jerusalem zur Glaubenspflicht erklärt und dadurch seinen Vormarsch mit dem Kampf um Palästina verschränkt. Fazit: Seit den 1970er Jahren haben die USA unter dem Vorwand von Freiheit und Demokratie den Zerfall ganzer Staaten ausgelöst oder vorangetrieben. Hierbei haben sie zum Erstarken radikaler, islamistischer Bewegungen maßgeblich beigetragen, von den Taliban über Al-Qaida bis hin zum Islamischen Staat. Um Hintergründe besser oder überhaupt verstehen zu können, ist einmal mehr ein Blick in die Geschichte erforderlich. Michael Lüders Buch vermittelt eine Vielzahl tiefer Einblicke und kann daher uneingeschränkt empfohlen werden. 5 Amazonsterne.

  7. Geschenk sagt:

    Ich habe das Buch gelesen und mich persönlich mit einer Email an den Autor gewandt, weil ich Fragen zu dem Buch hatte. Seine Antwort war dermaßen herablassend, dass ich sein Buch nicht weiterempfehlen kann und für mich Fragen offen bleiben, die nicht beantwortet wurden.

  8. Geschenk sagt:

    Michael Lüders bearbeitet in seinem Buch die Thematik der Einmischung der westlichen Staaten, allen voran der USA, in die Politik der Staaten des Nahen und des Mittleren Ostens, aber auch des Arabischen Raums. Ausgehend vom Jahr 1953, als ein von den USA (und Großbritannien) unterstützter Putsch die Regierung (unter Mossadegh) stürzte und infolgedessen ein instabiles, jedoch US-höriges System etablierte, beschreibt Lüders auf 175 Seiten die engen Zusammenhänge zwischen den Verfehlungen der westlichen Politik und den eng damit zusammenhängenden Aufstiegen des IS („Islamischer Staat“) und anderen Sicherheitsbedrohungen. Auch Unruhen in einem Großteil der arabischen und isla-misch geprägten Länder werden über kurz oder lang mit der fehlerhaften Politik des Westen in Zusammenhang gebracht. Das Themenspektrum reicht hierbei vom „Ara-bischen Frühling“ bis zum Aufstieg und Fall der Muslimbrüder, sowie den engen Verstrickungen US-amerikanischer Konzerne mit Ländern wie Saudi-Arabien. Des Weiteren wird auch der Nahost-Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ins Spiel gebracht, wobei auch hier die USA (als Schutzmacht Israels) abermals eine große Rolle spielt. Lüders verweist in seinem Buch darauf, dass nahezu alle (sogenannten) Terrororganisationen einen Kopf haben, welcher von den USA als „böse“ bezeichnet wird und zuweilen sogar mit Hitler verglichen wird, sei es nun Mossadegh, Saddam Hussein oder Bashar al-Assad – all diesen Köpfen werden bestimmte Charaktereigenschaften zugeschrieben, die die öffentliche Meinung in eine bestimmte Richtung leiten sollen. Interessant dabei ist nur, dass diese „Bösen“ teilweise früher von den USA unterstützt wurden, manches Mal wegen wirtschaftlichen Gründen, manchmal um politische Interessen durchzusetzen. Was der Autor in erster Linie aufzeigen möchte ist, dass durch die Einmischung der westlichen Politik und gleichsam durch das Aufzwingen des westlichen Systems (Demokratie (soweit gewünscht), …) mehr Probleme geschaffen, als verhindert werden. Beispielsweise ist hier der „IS“ anzuführen. Nahezu die gesamte Welt fühlt sich durch den „IS“ bedroht, doch den Platz zur Verbreitung hat diese Bewegung erst aufgrund der Einmischung der westlichen Politik erlangt. Durch den jahrelangen Krieg im Irak wurde dort im Grunde nichts als verbrannte Erde hinterlassen. Vor dem Einschreiten des Westens im Irak herrschte dort zwar ein mitunter feudalistisch und patriarlich geprägtes System, jedoch gab es immerhin ein System. Durch die Interventionen der westlichen Welt, allen voran der USA, wurde dieses System gestürzt und der Bevölkerung eines aufgezwungen, welches zwar im Westen funktioniert (zumindest im Großen und Ganzen) jedoch nicht auf den Mittleren Osten übertragbar ist. Somit entstand ein politisches Machtvakuum – die eingesetzte Führung war zu schwach, um das Land zusammenzuhalten und zu regieren, wohl auch aufgrund des fehlenden Rückhalts der Bevölkerung, und somit war der Weg frei für Gruppierungen, die sich die Situation zunutze machen konnten; in diesem Fall namentlich der „Islamische Staat“. In Syrien verhielt es sich ähnlich. Dort hat die instabile Lage zur Folge, dass sich der „IS“ weiter nahezu ungehindert ausbreiten kann und somit eine Bedrohung sowohl für den Westen, als auch in erster Linie für den Nahen Osten darstellt. Lüders Buch gibt einen sehr gute Einblick, inwieweit westliche Politik Schuld an der derzeitigen Misere in Ländern wie Syrien, dem Irak, Israel, … trägt. In puncto Israel zeigt der Autor außerdem auf, dass nicht mit zweierlei Maß gemessen werden soll. Einerseits verbietet man beispielsweise dem Iran die Nutzung von Uran (mitunter aufgrund Israelischer Interventionen), andererseits gestattet man Israel weiter aufzurüsten (unter dem Vorwand der Verteidigung). Doch blickt man auf die Israelische Politik und wie sie zum Beispiel mit dem Thema „Palästinenser“ umgeht, so wird deutlich, dass sich Israel alles andere als verteidigt – vielmehr führt es einen Angriffskrieg (mitunter kann man sogar von einem Vernichtungskrieg sprechen) gegen die palästinensische Bevölkerung. Bei näherer Betrachtung stellt sich die Frage, warum Israel einen derartigen Sonderstatus innehat und sich damit das Recht herausnimmt über andere Völker bestimmen zu können. Wichtig ist, dass man Kritik am Vorgehen Israels äußern darf und hier nicht zulässt, dass Kritik am Staat Israel mit Antisemitismus gleichgesetzt wird – hier wäre vor allem die USA am Zug, ein Machtwort zu sprechen und die Immunität Israels aufzuheben. Alles in allem regt Lüders in seinem Buch zum Nachdenken an – über das eigene Wertesystem, das „Gut-Böse-Denken“ und die US-amerikanische Hegemonialstellung.

  9. Geschenk sagt:

    ….könnte man das Buch auch betiteln angesichts der aktuellen Problematik. Michael Lüders hat ein wichtiges Buch geschrieben! Da es hier schon ausführlich besprochen wurde möchte ich mich auf das Wesentliche beschränken und einige Irrtümer korrigieren. Lüders beschreibt den Einfluß der westlichen Politik auf den Nahen Osten. Er zeigt, wie die (ökonomischen und politischen) Interessen des Westens den Nahen Osten beeinflußt haben und noch immer beeinflussen. Und welche Wirkung dieser Einfluß hat. Und diese Wirkung war und ist sehr oft negativer Natur. Der Westen behauptet, im Namen der Menschenrechte und der Demokratie zu agieren, in Wahrheit handelt er aber sehr oft aus eigennützigen politischen und ökonomischen Interessen– was ihm in der Region das Etikett der Verlogenheit einbringt und die radikalen Kräfte stärkt. Der erste Sündenfall des Westens in dieser Region ist das Sykes-Picot-Abkommen von 1916. GB und Frankreich teilten die Kolonialgebiete unter sich auf, zogen willkürlich Grenzen und schufen neue Staaten ohne auf ethnische und religiöse Belange dieser Region Rücksicht zu nehmen. Den zweiten Sündenfall schuf die UNO mit ihrem Teilungsplan für Palästina und der Schaffung des Staates Israel. Beide „Sündenfälle“ betrachten die Araber bis heute als ungebetene und ungehörige Einmischung in ihre Interessen. Als Politik über ihre Köpfe hinweg. In diesen beiden „Sündenfällen“ liegt der Keim für die Unruhen und Kriege in dieser Region. Und nicht in der Religion (des Islam). Deshalb sind auch die grade in Deutschland seit geraumer Zeit von einer gewissen Klientel befeuerten „Islam-und Koran-Debatten“ Nebelkerzen, die vom eigentlichen Problem ablenken. Es braucht politische Lösungen. Aber wie schwer diese zu finden sind, das zeigt sich grade im Syrien-Konflikt. Die UNO wirkt rat-und hilflos. Kommen wir zu einzelnen Punkten in Lüders Buch: — Es beginnt 1953 mit dem Sturz des demokratisch gewählten iranischen Präsidenten Mossadegh durch die Briten und die USA. Neue Dokumente belegen den Einfluß der CIA. Mossadeegh war ein Bewunderer des Westens. Aber was er nicht (mehr) wollte, war die Ausbeutung der iranischen Ölquellen durch die ehemalige britische Kolonialmacht. Deshalb verstaatlichte er die Ölquellen, was den Briten und vor allem den USA überhaupt nicht gefiel. Die USA installierten den amerikafreundlichen Shah Reza Pahlewi. Der machte im Westen– vor allem in Deutschland– Schlagzeilen im Boulevard—- während sein Geheimdienst Menschen folterte. Der Flashback kam 1979 mit der Iranischen Revolution. Über 1 Jahr war die amerikanische Botschaft in Teheran besetzt. Khomeini demütigte die USA und kostete den unfähigen US-Präsidenten Jimmy Carter das Amt. Schon damals waren die Ursachen für den Groll des iranischen Volkes vergessen. „Die islamische Herausforderung“ betitelte der damals im deutschen TV als „Islam-Experte“ gehandelte Gerhard Konzelmann. (Er musste einige Jahre später seinen Hut nehmen, da nachgewiesen wurde, dass seine Bücher ausschließlich Plagiate waren). Schon damals, 1979, war der Trend zu beobachten, „Den Islam“ als Ursache für die Probleme verantwortlich zu machen. Was wir heute mit oberflächlichen Bestsellern über „Den Islam“ erleben ist also keineswegs neu. Diese Diagnose war damals so falsch wie heute! — Ein zweiter interessanter Punkt ist der Einfluß des Westens in Afghanistan. Die USA unterstützten die sogennanten „Gotteskrieger“ („Mudschaheddin“) im Kampf gegen die Sowjets. Sie unterstützten damals sogar ihren späteren Intimfeind Usam Bin Ladn. Aus der damaligen Konstellation des Kalten Krieges betrachtet war das verständlich. Aber man schuf sich den Feind von morgen. Immer wieder zu beobachten ist die Unkenntnis und Ignoranz des Westens– allen voran der USA– über die Geschichte und Kultur dieser Region. — Ein Kapitel für sich sind der Irak und Saddam Hussein. Er galt jahrelang als verlässlicher Verbündeter des Westens, wobei die USA das Folterregime von Saddam nicht im geringsten störte. („Saddam Hussein ist ein Hurensohn. Aber wenigstens ist er unser Hurensohn“, so Donald Rumsfeld). Erst im Zuge von „9 / 11“ änderte sich diese Haltung, und der damalige US-Präsident G.B. Bush glaubte nun, auch im Irak das „Reich des Bösen“ zu erblicken. Und er täuschte die Weltöffentlichkeit mit falschen „Beweisen“ über angebliche irakische Massenvrnichtungswaffen. Vollends desaströs war dann die Besatzungspolitik der USA im Irak nach dem Sturz von Saddam. Der US-Sonderbeauftragte Paul Bremer löste die Baath-Partei und die irakische Armee auf und schuf damit das personelle Reservoir, aus dem später der IS entstand. Ich möchte es bei diesen wenigen Beispielen belassen. Lüders liefert noch mehr. Beispielsweise über die Politik Israels und die einseitige Parteinahme des Westens hinsichtlich der israelischen Politik. Aber das soll jeder Interessierte selbst lesen. Die Kritik, Lüders Darstellung wäre einseitig, trifft nicht zu. Er verschweigt keineswegs den Anteil der nahöstlichen Staaten an dem Desaster: Korruption, autoritäre Regime, Demokratiedefizite, etc. Nur ist das nicht sein Thema. Sein Thema lautet: „Was westliche Politik im Orient anrichtet“, so der Untertitel. Und diese These belegt er eindrucksvoll.

  10. Geschenk sagt:

    Ich finde es ist ein sehr interessantes Buch, den Einblick den man bekommt ist erschreckend. Da liest man mal wieder wie man von der Politik verarscht wird und das alles auf kosten der Bevölkerung.

  11. Geschenk sagt:

    Hier bekommt man eine gute Gesamtdarstellung der Entwicklung der Krisenherde im Vorderen Orient. Als Kriegsauslöser fungieren dabei zumeist die USA, welche wegen strategischer Interessen sowie dem Nutzen von Erdöl bereits seit Jahrzehnten die Finger im Spiel haben. Es wird dabei versucht, US-willige Regierungen einzusetzen, respektiv unbequeme Präsidenten abzusetzen. Ziehen die einzelnen Länder dann nicht am gleichen Strang wird der Herrscher als Terrorist abgestempelt. Um diese Ziele zu erreichen werden Rebellen gefördert und Länder in Bürgerkriegsherde verwandelt. Letztlich sind dadurch die Vereinigten Staaten Förderer der späteren Terrorgruppen Al Quaida oder Islamischer Staat. Insgesamt ein überzeugendes Buch, wo der Leser eine schnelle Einweisung in die Verstrickungen dieser Krisenregion bekommt.

  12. Geschenk sagt:

    Unglaublich, angsteinflößend, klasse recherchiert. Vielen Dank dem Autor für seinen Mut.Es scheint das Drehbuch für einen Politthriller zu sein, leider ist es Realität.

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