1933 war ein schlimmes Jahr: Roman: John Fante, Alex Capus
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1933 war ein schlimmes Jahr: Roman: John Fante, Alex Capus

John Fante, Alex Capus – 1933 war ein schlimmes Jahr: Roman jetzt kaufen. Kundrezensionen und 0.0 Sterne. Belletristik / Romane /

Pressestimmen

» […] Fante erzählt mit so viel Liebe und Humor, dass man seine Figuren sofort ins Herz schließt. « Martin Becker, Deutschlandfunk, 30.11.2016
» Es ist diese Sprache, pathetisch und im nächsten Satz wieder so lässig. « Volker Weidermann, Das Literarische Quartett, 09.12.2016
» Es ist ein richtig schönes, ein richtig gutes Buch. « Christine Westermann, Das Literarische Quartett, 09.12.2016
» Solche literarischen Figuren gibt es so selten, ich werde die nicht mehr vergessen. « Maxim Biller, Literarisches Quartett, 09.12.2016

Über den Autor und weitere Mitwirkende

John Fante, geb. 1909 in Denver als Sohn italienischer Einwanderer, zog als Mittzwanziger nach L.A. In einer Stadt, die aus Filmträumen bestand, war er mehr als fehl am Platz, und so entstand sein unnachahmlicher Stil aus innerer Zerrissenheit, Großmut und erlösenden Rachegelüsten. Sein erster Roman „Warte auf den Frühling, Bandini“ wurde 1938 veröffentlicht, im Jahr darauf folgte „Warten auf Wunder“. Er starb 1983 an einer Folge seiner Diabetes-Erkrankung. Posthum verlieh man ihm den PEN Award für sein Lebenswerk.

Alex Capus, geboren 1961 in der Normandie, lebt heute in Olten. Sein Roman „Léon und Louise“ (2011) war ein Bestseller. Von John Fante übersetze er die Romane „Warten auf Wunder“, „Warte bis zum Frühling, Bandini“ und „Ich – Arturo Bandini“. Mehr Informationen unter www.alexcapus.de

Alex Capus, geboren 1961 in der Normandie, lebt heute in Olten. Sein Roman „Léon und Louise“ (2011) war ein Bestseller. Von John Fante übersetze er die Romane „Warten auf Wunder“, „Warte bis zum Frühling, Bandini“ und „Ich – Arturo Bandini“. Mehr Informationen unter www.alexcapus.de

2 Antworten

  1. Geschenk sagt:

    Der interessierte Leser kann nun, nach langem Warten, einen John Fante lesen, ohne auf gebrauchte Buch-Angeboten zurückgreifen zu müssen. Dieser kleine Roman, nicht mal 150 Seiten, wurde als gebundenes Buch verlegt und ist Ende 2016 erschienen. In einer frisch anmutenden Aufmachung, mit Klappentexten ohne dass es einen Umschlag gibt, mit sympathischem Lesebändchen rundet ein interessantes Nachwort von Alex Capus die gelungene Neuerscheinung ab. Capus übersetzte diesen Roman, wie andere vorher von John Fante auch. Selber Schriftsteller, verehrt er Fante wie schon Charles Bukowski, der sogar äußerte „Fante war mein Gott“. Der Roman führt in das unter der Weltwirtschaftskrise leidende Amerika des Jahres 1933, in die Kleinstadt Roper in Colorado. Hier ringt die italienischstämmige Familie des 17 jährigen Dominic Molise, genannt Dom, mit den Auswirkungen der Arbeitslosigkeit des Vaters, der schon seit Monaten keine Arbeit auf dem Bau findet. Wie auch in den Arturo Bandini Romanen klingen hier autobiografische Züge des Autoren an. Dom hat keinen Mantel, aber man kann zwei Jacken gegen die Kälte anziehen. Schlimmer verhält es sich mit Doms geringer Körpergröße, seinen krummen Beinen, vor allem den abstehenden Ohren. Dem Jungen wird von Grandma empfohlen, die mit den Eltern und Doms Geschwistern unter einem Dach in einem zugigen, hellhörigen Häuschen wohnt und nur italienisch spricht, in der Nacht einen enganliegenden Strumpf über den Kopf zu ziehen, um die Ohren zu bändigen. Im Haus wird, besonders verbissen von der Grandma, versucht, Vorstellungen und Traditionen der italienischen Heimat zu konservieren, als Bollwerk gegen alles amerikanische Ungemach. Dom mit seinen 17 Jahren erkennt die prekäre Lage, die Aussichtslosigkeit, die Vergeblichkeit und Tristesse, die seine Familie umfängt. Aber er lässt sich nicht unterkriegen, nimmt die Dinge mit Ironie und sarkastischem Humor, ist hoffnungsvoll. Denn, Dom hat einen starken linken Arm, DEN ARM, er spricht mit ihm, pflegt ihn, reibt ihn mit Essenzen und Körperölen ein. Dom liebt Den Arm, er braucht Den Arm. Er, Der Arm ist sein Pfand auf eine erfolgreiche Zukunft. Nicht als Steineklopfer wie sein Vater, kein Luser, sondern raus aus dem Dreck und der Bedürftigkeit, den amerikanischen Traum leben als Pitcher in einer großen erfolgreichen Baseballmannschaft an der Küste. DER Arm macht sich schon jetzt super, Dom kann ganz prachtvoll den Baseball schleudern. Er muss nur noch entdeckt und angefordert werden von den großen Clubs. Damit allerdings steht es schlecht in diesem kleinen Kaff, und darum muss Dom mit seinem Freund Kenny, dem Sohn des reichen Eisenwarenhändlers, die Initiative ergreifen und selbst hinfahren zu den großen Mannschaften an der Pazifikküste, dort vorstellig werden, zeigen was er kann. Man muss sein Glück selbst in die Hand nehmen. Nur, das Geld für die Fahrkarte für die 2 tägige Reise hat er nicht, borgen bei seinem reichen Freund will er auch nicht. Er hat da so seine eigene Idee. Vorher steht auch noch die Sache mit der Schwester seines reichen Freundes an, in die er sich verliebt hat, die, gebildet und verwöhnt eigentlich kein Ziel für seine Avancen sein kann, aber Dom traut sich. Und so ist dieser Roman, bei aller Ärmlichkeit der Umstände, bei allen sich auftürmenden Hindernissen nicht ohne eine beschwingte, optimistische Grundstimmung, die sich von der anpackenden und humorvollen Sicht des Dom auf seine Situation nährt, bzw. wie diese Situation erzählt wird. So kann der Leser auch mal herzlich lachen. Er wird angesteckt von der Hoffnung und der Freude auf ein Gelingen, sieht Dom, so wie er sich selber sieht, als erfolgreichen Pitcher, noch nicht vom Leben gedümpelt und gebeugt. In dieser Art unterscheidet sich dieser Roman von den Arturo Bandini Bänden, die sehr viel mehr von Traurigkeit und Verzweiflung getränkt sind, wenngleich sich auch in diesem Roman nicht erfüllte Träume andeuten. Eine mitreißende Geschichte eines jugendlichen Helden, voller Vorfreude und doch auch Zweifel, fröhlich und traurig, in einfacher, klarer, strukturierter Sprache, oft lakonisch, lebensnah an den nicht vom Leben bevorzugten Menschen, ein Fante eben.

  2. Geschenk sagt:

    Denke ich an meinen einzigen Tagebuchversuch, den ich mit vierzehn Jahren auf sanften Druck meiner ersten „Liebe“ begonnen hatte, zieht es mir noch immer den Magen zusammen. Aus unerklärlicher Sentimentalität hatte ich diesen nach ca. dreißig Seiten abgebrochenen Versuch, meine chronologisch datierten Leiden des jungen B. aufzuzeichnen, bis ich Mitte zwanzig war aufbewahrt und dann noch einmal gelesen. Angewidert und voller Scham mich erinnernd, dass ich diese unechten Gefühlsduseleien gar der Initiatorin zu lesen gab, entsorgte ich diese unsägliche Lektüre umgehend in den Müllcontainer. Ich hoffe bis heute inständig, dass ich auch nie mit meinen damaligen eklektischen Ergüssen in Briefform – entliehen bei Goethe, Hesse, Salinger, Wilde und Balzac – noch einmal im Leben konfrontiert werde. Diese unangenehmen Erinnerungen an mein pubertierendes Alter Ego wurden wieder geweckt durch die 4:0 Empfehlung des Literarischen Quartetts für diesen Roman. Die seltene Einhelligkeit des Urteils sollte mir ja zumindest keine große Enttäuschung zusichern und ließ auf eine begeisternde Zustimmung hoffen. Zudem wurde ja vom Verlag und von den Kritikern stetig noch Charles Bukowski als Protegé bestätigend zitiert: „John Fantes Romane gehören zum Besten, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat.“ Recherchiert man diese Anekdote, wird deutlich, dass Bukowski sich nicht auf diesen Roman bezog, sondern auf „Ask the Dust“ (deutsch: „Ich – Arturo Bandini“). Doch den kenne ich nicht. Zudem zu denken sollte einem auch geben, dass der Roman nicht erstmals in deutscher Übersetzung erscheint, sondern schon 1986 im Eichborn Verlag als heiße Entdeckung veröffentlicht wurde, gute Kritiken erhielt, jedoch später schon die erste Auflage, wie auch die anderen drei Romane, erfolglos verramscht werden musste. Auch jetzt scheint die Quartett-Empfehlung wenig zu bewirken. Zumindest hier auf amazon harrte das Buch noch bis vor kurzem seiner ersten Bewertung. Nebenbei bemerkt: Fante spricht sich „Fänti“ und nicht „Fante“, was selbst „Capote“-begeisterte Kritiker im Quartett offenbar nicht bemerkten. Die plotlose, knapp 140 Seiten umfassende Geschichte des italienischstämmigen 17-jährigen Dominic Molise, der im amerikanischen Hinterwald aufwächst und von seinem linkshändigen Wurftalent so überzeugt ist, dass er eine Profi-Baseball-Karriere anstrebt, um den trostlosen familiären und geografischen Verhältnissen zu entfliehen, sollte besonders sprachlich umwerfend sein: „Es ist diese Sprache, pathetisch und im nächsten Satz wieder so lässig.“ bemerkte Volker Weidermann. Nun ja, ich fand dann Absätze wie diese, die mich weit mehr an die schon erwähnte peinlich Metaphorik meiner Jugend erinnerte: „Ich liebte Kens Schwester. Es war verrückt und unmöglich und dumm, aber ich wollte der Teppich sein, auf dem sie ging. Das Bett, in dem sie schlief. Die Seife, mit der sie sich wusch. Die Toilettenschüssel, auf die sie sich setzte.“ Ok, den letzten Satz hätte ich mir damals wohl verkniffen. Doch der macht es wohl heute so frivol. Weniger frivol, sondern grauenhaft jugendfern folgt dann eine Erläuterung des durchweg unsympathischen Ich-Erzählers, nachdem er einen verstohlenen Blick unter den Rock seiner heimlich Begehrten erhaschen kann: „Mein ganzes Leben lang (Er ist siebzehn Anm. von mir) hatte ich über die deprimierende Reizlosigkeit dieses Ortes nachgedacht. Ich hatte ihn unter den Röcken meiner Mutter und meiner Tanten gesehen, bestürzend unschön wie ein Mäusenest, trostlos graubraun wie der Inhalt eines Staubsaugerbeutels, ebenso unanständig wie unumgänglich, eine herbe Herausforderung, der sich jeder Mann früher oder später stellen musste.“ Nach diesem Fiasko literarischer Beschreibungen des erotischen Sehnsuchtsortes männlicher Jugend folgt dann unvermittelt, doch vielleicht auch als gewollter Kunstgriff, um die Verklemmt- und Verschrobenheit des Protagonisten zu veranschaulichen: „Kein Wunder, dass es eine Sünde war, sie anzuschauen. Ein Sünde, sie zu begehren und eine noch größere Sünde, sie zu penetrieren, bevor man verheiratet war.“ Hmmh? Was verändert denn die Ehe an der eben noch „deprimierenden Reizlosigkeit des Ortes“. Nun gut. Wer suchet, der findet wohl in jedem Meisterwerk auch etwas Schrott. Ich fand ihn aber in unübersehbarer Menge. Aber vielleicht bin ich zu streng, wenn ich mich für eine derartige Beschreibung einer jugendlichen Gedankenwelt fremdschäme: „Eines für mich und elf für Dorothy, das war nur fair. Ich löste die Wäscheklammer von dem Höschen und stopfte es mir unters Hemd. Ich fühlte, wie es dort atmete und sich glücklich an mich schmiegte.“ John Fante hat sicherlich keinen Literaturhelden für die Jugend erschaffen wollen. Denn Dominic ist exakt das, was seine begehrte Dorothy zu ihm sagt, nachdem er sich an ihr vergreifen will: „Lass mich los, du Idiot.“ Dieser Idiot entblödet sich auch nicht, seinem Vater, einem prekär arbeitenden Maurer, die wichtigste Existenzgrundlage zu rauben, um sie zu Geld zu machen: ein Betonmischer. Die erwarteten fünfzig Dollar sollen ihm die Fahrt nach L. A. finanzieren, wo er sich bei den Baseball-Profis bewerben will. Doch kurz vor Vollzug, zieht er dann doch noch zurück und gibt das Vorhaben auf. Man glaubt fast, er sei zur Vernunft gekommen. Doch zugleich haut er seinen Vater an, er solle ihm doch bitte das Geld organisieren, wissend, dass sein Vater ein Zocker ist und immer mal wieder die bescheidene Existenz der ganzen Familie riskiert. Die gesamte Story wirkt – trotz vorgeblicher biografischer Parallelen – skurril und lebensfern. Dass sie zudem keinen Plot aufweist, irritiert besonders, da John Fante als Drehbuchautor in Hollywood erfolgreich war. Die Geschichte nimmt im Verlauf mehrmals absurde Wendungen ohne nachvollziehbare Konsequenzen. Doch das Ende der Geschichte ist dann noch absurder als man es erwarten konnte. Der Vater selbst verkauft den Betonmischer für die Hälfte des benötigten Geldes und legt das Schicksal seiner Familie damit in die Hand eines großspurigen Maulhelden. Der ist dann zuletzt in der traurigen Realität angekommen: „Und dann weinte ich um mich selbst, weil ich jetzt nach Kalifornien gehen musste. Ich hatte keine Wahl. Ich musste es schaffen.“ So endet der Roman und lässt einen schulterzuckend zurück, besonders wenn man noch die Bemerkung von Maxim Biller im Ohr hat: „Solche literarischen Figuren gibt es so selten, ich werde die nicht mehr vergessen.“ Wer einen gelungen Roman über die Zeit der Jugend lesen möchte, in dem ähnlich prekäre Verhältnisse den Hintergrund bilden, dem lege ich Per Petterson nahe. In seinem Erstling „Ist schon in Ordnung“ findet man tatsächlich unvergessliche Figuren und zudem eine erzählerische Tonalität, die feinsinnig, klar und behutsam diese schwierige Lebensphase der Adoleszenz zu beschreiben vermag. Denn die von der Lebenserfahrung noch nicht abgeklärten Empfindungen in der Jugend sind es sicher rückblickend wert, in Worte gefasst zu werden, die sie nicht zu einer beschämenden Erinnerung werden lassen. Das gelingt Per Petterson eindrucksvoll in seinem Debütroman und ganz besonders ausgereift in seinem Roman „Pferde stehlen.“

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